|
Aus: Kapitel 12 Das Monitorsystem
Das Hauptanliegen eines P.A.-Systems ist es, die Publikumsbereiche mit der auf der Bühne gespielten Musik akustisch optimal auszuleuchten. Aber nicht nur das Publikum, sondern auch die Bühne muss zur Orientierung und Information der Musiker mit teilweise sehr speziellen Abmischungen beschallt werden. Speziell für diesen Zweck wird eine zweite Beschallungsanlage, das so genannte Monitorsystem, installiert. Sänger, Schlagzeuger, Bläser und meistens auch die Key-boarder haben in der Backline nämlich keine eigenen Verstärker. Die einzige Möglichkeit sich selbst und teilweise auch die Mitmusiker spielen zu hören, besteht nur durch Zuhilfenahme des Monitorsystems.
In diesem Zusammenhang gleich ein wichtiger Gedanke voraus, der besonders in kleineren Örtlichkeiten von Bedeutung ist: Solange es sich um die Bühne handelt, sind Monitorsystem und Verstärkerbackline notwendige Hilfsmittel. Leider gelangt der damit produzierte Schall auch in den Publikumsbereich und stellt dort so etwas wie akustische Umweltverschmutzung dar. Logische Folgerung: Je leiser das Monitorsystem und die Backline, umso weniger Probleme bereitet der Frontsound. Eine Faustregel besagt, dass man die Front-P.A. bis zu zehn Dezibel über dem Bühnenschall, also doppelt so laut fahren muss, nur um die Bühne akustisch zu verdecken. Ein echter Teufelskreis, denn besonders bei unerfahrenen Bands oder Leuten mit ausgeprägtem Ego ist die Bühne meistens schon derartig laut, dass beim Hinzufahren einer nicht so leistungsstarken P.A. aufgrund von Überlagerung zwischen Bühne/Monitor und Front nur noch undefinierbarer Klangbrei entsteht. Ist das F.o.H.-System hingegen stark genug, entstehen Lautstärken jenseits von Gut und Böse – absolut gesundheitsschädlich und oft auch gegen behördliche Auflagen und gegen den Willen von Publikum und Veranstalter verstoßend!
Totale Entkopplung zwischen Bühne und P.A. gibt es in der Praxis nur in sehr großen Hallen und bei Open-Airs – es sei denn, die Akteure verwenden In-Ear-Monitoring (siehe Abschnitt 12.6) und spielen ihre Instrumente ohne Bühnenverstärker direkt in die P.A. In dieser Situation haben Sie am F.o.H.-Pult die bestmögliche Kontrolle. Kleine Locations zwingen zu Kompromissen: Oft müssen Sie Ihren F.o.H.-Sound um zwei oder drei laute Bühnenkomponenten (oft Snare, E-Bass und E-Gitarre) „drumherum“ aufbauen. Sie sollten also immer versuchen, durch überlegten Monitormix (nur so viel, wie unbedingt nötig) und durch Kooperation, Disziplin und Kompromissbereitschaft seitens der Musiker (nur so laut, wie unbedingt nötig) das Übersprechen zwischen Bühne und P.A. zu minimieren.
|